18. Mai 2017

Pressemitteilung

Großes Restaurierungsprojekt auf der Burg Trausnitz: Erste Tapisserien kehren auf die Burg zurück

Die Bayerische Schlösserverwaltung stellt erste Höhepunkte eines groß angelegten Restaurierungsprojekts auf der Burg Trausnitz vor: Heute, am 18. Mai, werden zwei gewirkte Bildteppiche der bedeutenden Otto-von-Wittelsbach-Folge nach umfassender Restaurierung neu präsentiert. Die elfteilige Teppichserie gehört zu den kostbarsten Schätzen auf der Burg und wurde vor genau 400 Jahren für Herzog Maximilian I. von Bayern in Paris vollendet.

Die Restaurierung der monumentalen, in Wolle und Seide sowie Silber- und Goldfäden gewirkten Bildteppiche ist ein aufwändiges und kostenintensives Unternehmen, das deshalb sukzessive umgesetzt wird. Begonnen wurde bereits 2016 mit den beiden nun wieder im 2. Obergeschoss des Fürstenbaus präsentierten Teppichen „Die Vermählung des Otto von Wittelsbach“ und „Die Erstürmung der Veroneser Klause“. Die Bayerische Schlösserverwaltung investierte in die Restaurierung und Neuhängung der beiden Tapisserien die Gesamtsumme von 75.000 Euro.

Reinigung, Konservierung, Neupräsentation – ein komplexer Prozess

Nach vorbereitenden Maßnahmen wurden die Tapisserien zunächst einer Reinigung mit Aerosolnebel im Niederdruckverfahren unterzogen, dem modernsten und schonendsten Reinigungsverfahren, das speziell für Tapisserien entwickelt wurde. Es entfernt Verschmutzungen und wirkt der Versprödung des Gewebes entgegen. Anschließend folgte die Konservierung der Tapisserien nach modernsten Richtlinien, die einige Monate in Anspruch nahm und in jedem Schritt reversibel ist. Alte, unsachgemäße Reparaturen wurden zurückgeführt, offene Webschlitze geschlossen und fragile Stellen des kostbaren Gewebes mit Stützgewebe unterlegt und mit Spannstichen gesichert.

Zum langfristigen Erhalt der Tapisserien gehört schließlich die konservatorisch angemessene Neupräsentation: Dabei werden die über vier Meter hohen Bildteppiche auf einer leicht schrägen Unterkonstruktion aus säurefreiem Pappelholz montiert, so dass das Eigengewicht des fragilen gealterten Gewebes entlastet und der Staubeinwirkung durch Luftzirkulation entgegengewirkt wird.

Nachhaltigkeit und neuer Glanz

„Die Restaurierung bringt Farbe und Glanz der Tapisserien wieder zur Geltung und sichert den Erhalt der kostbaren Kunstwerke für kommende Generationen“, so Museumsdirektorin Dr. Brigitte Langer. Als gestalterisches Mittel wurde für die Rahmen der Schräghängung ein leuchtendes Purpurrot als Farbe gewählt, das den 1961 im Trausnitz-Brand zerstörten und in schlichten Formen rekonstruierten Sälen einen schönen Akzent verleiht. Parallel zur bereits laufenden Restaurierung des dritten Teppichs der “Belehnung des Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern“ sind eine didaktische Aufbereitung, ein neuer Lichtschutz und eine neue Beleuchtung für die drei Säle mit Tapisserien der Otto-von-Wittelsbach-Folge in Vorbereitung.

Geschenk zum Doppeljubiläum

Die Otto-von-Wittelsbach-Folge wurde von 1614 bis 1617 in Paris für Herzog Maximilian I. von Bayern gewirkt. Der bayerische Herzog setzte damit seinem Ahnen Otto von Wittelsbach (um 1117–1183) als dem Begründer der Wittelsbacher Dynastie ein Denkmal. Mit Ottos Aufstieg zum Herzog von Bayern 1180 begann die Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern, die erst 1918 endete. Die Restaurierung ist ein Geschenk zum Doppeljubiläum der 400 Jahre alten Wirkteppichfolge und des 900sten Geburtstags ihres Titelhelden. Die Entwürfe zu den Teppichen schuf der flämische, von Italien geprägte Maler Peter Candid, den schon Maximilians Vater, Herzog Wilhelm V., als Hofmaler bestellt hatte. Wilhelms reiche Hofhaltung als Erbprinz prägte die Burg Trausnitz nachhaltig.

Die Burg Trausnitz in Landshut war seit ihrer Gründung 1204 bis ins 16. Jahrhundert Zentrum von Macht und Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern. Die mittelalterliche Burg mit ihren eindrucksvollen Befestigungswerken war für ein Vierteljahrtausend Residenz und Regierungssitz der niederbayerischen Herzöge. Im 16. Jahrhundert erhielt die Burg als Hofhaltung des bayerischen Erbprinzen in Teilen das Aussehen eines Renaissanceschlosses.

Die Burg Trausnitz ist täglich von 9-18 Uhr mit Führung zu besichtigen. Gelegenheit zur Besichtigung der Tapisserien ohne Führung bietet sich im Rahmen des Gartenfestivals auf der Burg Trausnitz vom 2. bis 5. Juni 2017.

Weitere Informationen über die Burg Trausnitz finden Sie unter www.burg-trausnitz.de.


Presse-Informationen:
Dr. des. Cordula Mauß und Franziska Hölzle
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 18. Mai 2017

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