29. März 2012

Pressemitteilung

 

Saisoneröffnung am 1. April:

Künstlerhaus Gasteiger zeigt neue Sonderausstellung "Im Atelier. Das Künstlerehepaar Mathias und Anna Sophie Gasteiger"

Restaurierter Brunnen im Garten in Betrieb

 

Bild: Gemälde "Stillleben mit Wassermann"

Gemälde "Stillleben mit Wassermann"

Am 1. April öffnet das Künstlerhaus Gasteiger in Holzhausen am Ammersee wieder die Tore. Zum Start in die neue Saison zeigt die Bayerische Schlösserverwaltung die Sonderausstellung "Im Atelier. Das Künstlerehepaar Anna Sophie und Mathias Gasteiger".

Gezeigt werden bislang unbekannte Gemälde, die Figurengruppe "Die Liebe" und historische Fotografien aus dem Nachlass des Künstlerpaares. Erinnert wird an die Ausstellungen, die beide Künstler gemeinsam im eigenen Atelier veranstaltet haben und wie sie in den Aufnahmen überliefert sind. Im Blickpunkt der Ausstellung steht auch die wirtschaftliche Situation der Künstlerin, die nach dem Tod ihres Ehemannes (1934) für das Einkommen ihrer Familie sorgen musste.

 

Endlich plätschert es im Garten: Restaurierter Brunnen in Betrieb

Auch im Garten des Künstlerhauses hat sich zum Saisonbeginn einiges getan: Der restaurierte Brunnen im Garten plätschert wieder. Die Wandbrunnenstele aus Kalksandstein in Form einer stilisierten Figur stand ursprünglich im Atelier- und Ausstellungsraum des Hauses von Mathias Gasteiger an der Waisenhausstraße in München. Die Schlösserverwaltung rekonstruierte 2007-2009 das Brunnenbecken aus Carrara-Marmor und ergänzte den Brunnen um einen Sandsteinsockel. Auch das originale steinerne Blumenbouquet als Bekrönung konnte wieder eingefügt werden. Mit einer Rückwand und Verdachung aus Stahl wurde die Wandbrunnenstele im Eingangsbereich des Gartens aufgestellt.

Aber bisher konnte der Brunnen aus Kostengründen noch nicht in Betrieb genommen werden. Andere vordringliche Arbeiten am Haus waren zunächst zu erledigen. Nun ist es aber gelungen, den Wasserspeier mit einem neu installierten Wasserkreislauf zu kombinieren: Eine kleine Umwälzpumpe in einem Schacht pumpt das Wasser zum Wasserspeier. Die Leitungen verlaufen unauffällig durch den Sockelstein hindurch.

Hierfür waren verschiedene Bohrungen und Grabungen, auch für den Elektroanschluss, erforderlich. Die Kosten der ausgeführten Arbeiten belaufen sich auf ca. 3.700 Euro, davon entfallen ca. 2.400 Euro auf die Wassertechnik. Durchgeführt wurden sie von der Steinmetzfirma Dr. Pfanner unter der Fachaufsicht des Staatlichen Bauamtes Weilheim und der Schlösserverwaltung.

"Der nun wieder vollständige und funktionsfähige Brunnen setzt einen freundlichen, einladenden Akzent im Eingangsbereich zum Garten des Gasteiger-Anwesens", so Christoph Straßer von der Schlösserverwaltung. "Er stimmt die Besucher optimal auf den Besuch des historischen Künstleranwesens ein."

 

Die finanziellen Nöte der Witwe Gasteiger

Die neue Sonderausstellung "Im Atelier" widmet sich auch der wirtschaftlichen Situation der Anna Sophie Gasteiger nach dem Tod ihres Mannes. So werden die künstlerischen Arbeiten um Dokumente ergänzt, die die wirtschaftliche Lage der Familie vor Augen führen. In einem Haushaltsbuch hat Anna Sophie Gasteiger ihre Einnahmen und Ausgaben von 1936 bis 1943 täglich notiert. Die Einnahmen aus Gemäldeverkäufen sind ebenso vermerkt wie die Ausgaben für den Haushalt und für den täglichen Bedarf. In einem weiteren Buch hat sie ihre Ausstellungsbeteilungen von 1927-1932 und die Verkaufspreise ihrer Gemälde vermerkt. Daraus geht hervor: Nicht jede Ausstellungsbeteiligung wurde mit Gemäldeverkäufen belohnt. Oft blieb die Künstlerin auf Transport- und Versicherungskosten sitzen.


An der neuen Sonderausstellung haben viele Mitarbeiter der Schlösserverwaltung mitgewirkt: Die Restauratorinnen Bettina Schwabe, Theresa Wais und Sabine Palffy haben die Gemälde und deren Rahmen gründlich gereinigt und restauriert. Zwei Rahmen wurde eigens neu angefertigt. Kerstin von Zabuesnig hat die Dokumente und Fotografien gerahmt und Ingrid Thom die Restaurierung der Figurengruppe "Die Liebe" betreut. Dr. Thorsten Marr, Museumsreferent des Künstlerhauses, freut sich, dass diese Arbeiten für die Ausstellung und das Künstlerhaus Gasteiger pünktlich zum Saisonbeginn realisiert werden konnten.


Künstlerhaus Gasteiger – einzigartiges Ensemble des Münchner Jugendstils

Der Bildhauer Mathias Gasteiger (1871-1934) gehört zu den namhaften Münchner Künstlern um 1900. Der von 1902 bis 1913 am Ammerseeufer entstandene Künstlersitz mit Landschaftspark, Wohnhaus und umgebendem Bauerngarten sowie Wirtschaftsgebäuden ist ein einzigartiges Ensemble des Münchner Jugendstils. Das Museum im Wohnhaus umfasst die Jugendstilausstattung der Räume, historische Fotografien, eine Auswahl von Skulpturen Mathias Gasteigers und eine Sammlung mit Gemälden von Anna Sophie Gasteiger.

 

Die Stilllebenmalerin Anna Sophie Gasteiger (1877-1954)

Die Malerin fand ihre Bildmotive vor allem im Garten des am Westufer des Ammersees liegenden Landhauses sowie in der umliegenden Landschaft. Zahlreiche Stillleben mit Blumensträußen, Obst und Gemüse sind in dieser Zeit entstanden. Als Bildträger verwendete sie verschiedene Malpappen mit eingeprägter Leinwand-struktur. Die Farbe trug sie ohne Grundierung und ohne Vorzeichnung "alla prima" auf. Die einzelnen Pinselstriche sind dünnflüssig auf die Pappe aufgetragen. Oft verwendet sie breite Pinsel, mit denen sie ihre Formen entwickelt. Sie malte mit Ölfarben und Tempera, mit denen sie unterschiedliche Glanzstufen erzielen konnte. Der Firnis wurde überall dort eingesetzt, wo einzelne Farbflächen glänzend erscheinen sollten. Mit dieser Technik versuchte sie Farbwerte zu differenzieren, aber auch Räumlichkeit zu erzeugen.

 

Mathias Gasteiger (1871-1934): Künstler, Unternehmer und Marmorliebhaber

Das Badezimmer mit seiner luxuriösen Ausstattung erinnert daran, dass Mathias Gasteiger nicht nur Bildhauer, sondern auch ein Unternehmer war. Als Sohn des Münchner Steinmetzen und Baumeisters Joseph Gasteiger war er seit seiner Kindheit mit dem Werkstoff Stein vertraut und an der Marmorgewinnung interessiert. Die von Mathias Gasteiger gegründeten Marmorbrüche im Fränkischen Jura – unter anderem Möhren-Gundelsheim – waren bis zum Zweiten Weltkrieg Deutschlands größte Marmorproduzenten. 1912 stieg Mathias Gasteiger in die Marmorproduktion der Gemeinde Laas in Südtirol ein. Hier wurde weißer Marmor von hervorragender feiner Qualität gewonnen, der auch für die Herstellung von Bildwerken taugte.


Das Künstlerhaus ist bis Oktober jeweils sonntags von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.
2011 zählte die Schlösserverwaltung über 1500 Besucher und über 2480 Hochzeitsgäste im Gasteiger-Haus.


Weitere Informationen zum Künstlerhaus Gasteiger:
Bayerische Schlösserverwaltung / Außenstelle Ammersee
Landsbergerstraße 81
82266 Inning / Stegen
Telefon (08 43) 93 04-0
seeverwaltung.ammersee@bsv.bayern.de


Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast
Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-180, Fax (0 89) 1 79 08-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 29. März 2012

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